Inhalt

Freitag, 26. September 1980. Auf dem Münchner Oktoberfest explodiert eine Bombe. 13 Menschen sterben, 211 werden verletzt. Unter den Toten ist der 21-jährige Gundolf Köhler. Die Behörden machen den Studenten als Bombenleger aus und kommen schnell zu dem Schluss, er habe allein und ohne politisches Motiv gehandelt. Doch ist die Lösung wirklich so einfach?

Der Journalist Ulrich Chaussy (Benno Fürmann) recherchiert den angeblich gelösten Fall und stößt auf rechtsradikale Hintergründe und ungeklärte Todesfälle. Warum hat die Polizei Zeugenaussagen ignoriert? Warum gab Staatsschutzchef Dr. Hans Langemann (Heiner Lauterbach) geheime Informationen an die Presse weiter? Warum hat die Bundesanwaltschaft wichtige Beweismittel vernichten lassen? Ulrich Chaussy und der Opferanwalt Werner Dietrich (Jörg Hartmann) machen sich auf die gefährliche Suche nach der Wahrheit, die auch heute noch vertuscht wird.

In Gedenken

Beim Oktoberfestattentat wurden 211 Menschen verletzt,
68 von ihnen schwer. Außer dem Bombenleger starben:

Gabriele Deutsch, 17 Jahre
Robert Gmeinwieser, 17 Jahre
Axel Hirsch, 23 Jahre
Markus Hölzl, 44 Jahre
Paul Lux, 52 Jahre
Ignatz Platzer, 6 Jahre
Ilona Platzer, 8 Jahre
Franz Schiele, 33 Jahre
Angela Schüttrigkeit, 39 Jahre
Errol Vere-Hodge, 25 Jahre
Ernst Vestner, 30 Jahre
Beate Werner, 11 Jahre

Cast & Crew

Cast

  • » Benno Fürmann   Ulrich Chaussy

    Benno Fürmann wurde 1972 in Berlin geboren. In New York City besuchte er ein Jahr lang das Lee Strasberg Institute, bevor er mit Hauptrollen in deutschen Fernsehfilmen wie Bernd Schadewalds Grimmepreisprämierter Ost-West-Tragödie SCHICKSALSSPIEL (1994), der RTLSerie ...UND TSCHÜß! oder in der ZDF-Krimireihe SPERLING (1996-1999) für Aufmerksamkeit sorgte. Seine Titelrolle in Roland Suso Richters Zweiteiler DIE BUBI SCHOLZ STORY (1998) wurde mit dem Deutschen Fernsehpreis in der Kategorie „Bester Schauspieler“ ausgezeichnet.

    Fortan konzentrierte sich Benno Fürmann auf seine Kinokarriere. Er spielte in Sönke Wortmanns ST. PAULI NACHT (1999), Stefan Ruzowitzkys ANATOMIE (2000), Lars Beckers KANAK ATTACK (2000), Tom Tykwers DER KRIEGER UND DIE KAISERIN (2000) und Doris Dörries NACKT (2002). Für seine Rolle in Martin Englers FREUNDE (2000) erhielt Benno Fürmann den Bayerischen Filmpreis als „Bester Darsteller“, 2001 wurde er im Rahmen der Berlinale als deutscher Shooting Star des Europäischen Films ausgezeichnet. In Brian Helgelands SIN EATER – DIE SEELE DES BÖSEN (2003) gab er an der Seite von Heath Ledger sein Hollywood-Debüt, während er in Deutschland gleich drei anspruchsvolle Rollen unter Christian Petzolds Regie spielte: Für das Drama WOLFSBURG (2003) erhielten Christian Petzold, Benno Fürmann und Nina Hoss den Adolf-Grimme-Preis in Gold, es folgten die Dramen GESPENSTER (2004) und JERICHOW (2008), die beide den Preis der Deutschen Filmkritik gewannen.

    Benno Fürmann spielte in vielbeachteten Fernsehproduktionen wie DIE STURMFLUT (2006), DIE GRENZE (2010) und DER MAUERSCHÜTZE (2010), außerdem lieh er in mehreren SHREKAnimationsfilmen dem GESTIEFELTEN KATER seine (deutsche) Stimme. Vor allem aber stand er weiterhin für sehr unterschiedliche Kinofilme vor der Kamera, darunter Christian Carions Oscar-nominiertes Kriegsdrama MERRY CHRISTMAS (2005), Vivien Naefes DIE WILDEN HÜHNER UND DIE LIEBE (2007) sowie dessen Fortsetzung DIE WILDEN HÜHNER UND DAS LEBEN (2008), Leander Haußmanns WARUM MÄNNER NICHT ZUHÖREN UND FRAUEN SCHLECHT EINPARKEN (2007), Philipp Stölzls NORDWAND (2008), Granz Henmans TEUFELSKICKER (2010), Hermine Huntgeburths TOM SAWYER (2011), Agnieszka Hollands Oscar-nominiertes Holocaust-Drama IN DARKNESS (2012) sowie Leander Haußmanns und Sven Regeners HAI-ALARM AM MÜGGELSEE (2013).

  • » Heiner Lauterbach   Dr. Hans Langemann

    Heiner Lauterbach wurde 1953 in Köln geboren, wo er im Alter von 18 Jahren Schauspielunterricht nahm und an mehreren Bühnen spielte. Nach ersten Filmrollen, darunter in Roland Suso Richters Debütfilm KOLP (1984), und Synchronrollen für Kevin Costner, Richard Gere oder John Malkovich, gelang ihm 1985 mit MÄNNER der Durchbruch. Mehr als fünf Millionen Zuschauer sahen Doris Dörries Komödie in den deutschen Kinos, die Hauptdarsteller Heiner Lauterbach und Uwe Ochsenknecht wurden mit dem Deutschen Filmpreis ausgezeichnet.

    In den Krimiserien EUROCOPS (1988-1993) und FAUST (1994-1997) sah ihn regelmäßig ein Millionenpublikum als Ermittler, auch Bernd Eichingers DAS MÄDCHEN ROSEMARIE (1996), Dieter Wedels DER SCHATTENMANN (1996) und Urs Eggers DER OPERNBALL (1998) machten Heiner Lauterbach zu einem der gefragtesten Schauspieler Deutschlands. Unter Sönke Wortmanns Regie spielte er in DAS SUPERWEIB (1996) und DER CAMPUS (1998) mit, für seine Rolle als Filmproduzent in Helmut Dietls Gesellschaftssatire ROSSINI – ODER DIE MÖRDERISCHE FRAGE, WER MIT WEM SCHLIEF erhielt er 1997 den Bayerischen Filmpreis. Es folgten Rollen in Friedemann Fromms SCHLARAFFENLAND (1999), Sönke Wortmanns ST. PAULI NACHT (1999), Joseph Vilsmaiers MARLENE (2000), Doris Dörries ERLEUCHTUNG GARANTIERT (2000) und Oliver Hirschbiegels DAS EXPERIMENT (2001). Mit ANDERSRUM gab er 2005 sein Debüt als Filmregisseur.

    Im Fernsehzweiteiler DER VERLEGER (2001) spielte Heiner Lauterbach Axel Springer, ferner übernahm er führende Rollen in Fernseh-Events wie DRESDEN (2006), DIE STURMFLUT (2006), DIE GUSTLOFF (2008), DAS PAPST-ATTENTAT (2008), WIR SIND DAS VOLK (2008), VULKAN (2009), KEN FOLLETTS EISFIEBER (2010), HINDENBURG (2011) und HELDEN – WENN DEIN LAND DICH BRAUCHT (2013). Heiner Lauterbach wurde 2011 mit dem Ehrenpreis des Hessischen Ministerpräsidenten für besondere Leistungen im Film und Fernsehen ausgezeichnet. Im Kino war er zuletzt in Til Schweigers SCHUTZENGEL (2012) und Matthias Schweighöfers SCHLUSSMACHER (2013) zu sehen. In Daniel Harrichs zweitem Kinofilm EIN SCHMALER GRAT spielte er den Serienmörder Johannes Heintz.

  • » Nicolette Krebitz   Lise Chaussy

    Nicolette Krebitz wurde 1972 in Berlin geboren und spielte ihre ersten Filmrollen in ICH WETTE, ES WIRD EIN JUNGE (1983) und SIGI, DER STRASSENFEGER (1984). Nach der klassischen und modernen Tanzausbildung am Ballettcentrum in Berlin wechselte sie an die Fritz-Kirchhoff-Schauspielschule. Mit Benno Fürmann stand Nicolette Krebitz bereits für Bernd Schadewalds SCHICKSALSSPIEL (1993) und Martin Weinhardts DURST (1992) vor der Kamera.

    Ihre Hauptrolle als aidskranke Zoé in Markus Imbodens AUSGERECHNET ZOÉ (1994) wurde mit dem Adolf-Grimme-Preis und der Lili-Palmer-Gedächtniskamera für die „Beste Nachwuchsschauspielerin“ ausgezeichnet. Als großer Publikumserfolg erwies sich Katja von Garniers Musikfilm BANDITS (1997), für den Nicolette Krebitz zusammen mit Jasmin Tabatabai und Katja Riemann auch als Musikerin aktiv war. BANDITS erhielt unter anderem den Deutschen und den Bayerischen Filmpreis. Der Soundtrack erhielt eine Goldene Schallplatte. Es folgten vielbeachtete Kino- und Fernsehproduktionen wie Roland Suso Richters DIE BUBI SCHULZ STORY (1998), in der Nicolette Krebitz erneut als Benno Fürmanns Filmpartnerin zu sehen war. In DER TUNNEL (2000), dem bislang erfolgreichsten Event- Movie, spielte Nicolette Krebitz die weibliche Hauptrolle.

    Mit JEANS schrieb, produzierte und inszenierte Nicolette Krebitz im Jahr 2000 ihren ersten eigenen Film. Mit DAS HERZ IST EIN DUNKLER WALD (2006) und einem Beitrag im Episodenfilm DEUTSCHLAND 09 (2009) setzte sie ihre Arbeit als Regisseurin und Autorin fort. Für ihre Rolle in Vivien Naefes SO SCHNELL DU KANNST (2004) erhielt sie die Goldene Kamera als „Beste Schauspielerin“. Es folgten LIEBESLIED (2007), UNTER DIR DIE STADT (2009), LOLLIPOP MONSTER (2010), BLUTSSCHWESTERN (2013) und DRAUSSEN IST SOMMER (2013).

  • » August Zirner   Meier

    August Zirner wurde 1956 als Sohn österreichischer Auswanderer im US-Bundesstaat lllinois geboren. Nach seinem Schauspielstudium am Max-Reinhardt-Seminar in Wien stand er für Theaterproduktionen in Wien, Hannover, Wiesbaden, München, Salzburg und Zürich auf der Bühne. Parallel spielte er unter der Regie namhafter Regisseure in bislang mehr als 60 Kino- und Fernsehfilmen, von denen Stefan Ruzowitzkys Oscar-prämiertes Drama DIE FÄLSCHER (2008) die meiste Aufmerksamkeit erhielt.

    Weitere wichtige Filmtitel in August Zirners Karriere sind Doris Dörries GELD (1989), Frank Xaver Bogners CAFE EUROPA (1990), Volker Schlöndorffs HOMO FABER (1990), Rainer Kaufmanns STADTGESPRÄCH (1995), Margarethe von Trottas WINTERKIND (1997), Rainer Kaufmanns DIE APOTHEKERIN (1997), Margarethe von Trottas JAHRESTAGE (1999), Ben Verbongs DAS SAMS (2000), Sandra Nettelbecks BELLA MARTHA (2001), Constantin Costa-Gavras DER STELLVERTRETER (2001), Heinrich Breloers SPEER UND ER (2004), Züli Aladags WUT (2006), Adolf Winkelmanns EINE EINZIGE TABLETTE (2006) und Jo Baiers HEIMKEHR (2012).

    August Zirner macht leidenschaftlich gern Jazz-Musik. Der Sohn eines Musikprofessors spielt unter anderem Querflöte. 2011 erschien sein Album „Diagnose: Jazz“, 2013 ging er mit seiner Band „Spardosen-Terzett“ auf Tournee.

  • » Jörg Hartmann   Werner Dietrich

    Jörg Hartmann kam 1969 in Hagen zur Welt und wuchs in Herdecke im Ruhrgebiet auf. Nach seiner vierjährigen Ausbildung an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart spielte er von 1994 bis 1996 am Südthüringischen Staatstheater in Meiningen, bis 1999 am Nationaltheater Mannheim und bis 2009 als festes Ensemblemitglied der Berliner Schaubühne, an der er noch heute regelmäßig gastiert.

    Mit NORA und HEDDA GABLER war er zum Berliner Theatertreffen eingeladen. Beide Thomas-Ostermeier-Inszenierungen wurden für das Fernsehen aufgezeichnet und ebneten Jörg Hartmanns Weg zu Friedemann Fromms Fernsehdreiteiler DIE WÖLFE (2009). Für seine Rolle als Stasi-Offizier Falk Kupfer, die er seit 2010 in Friedemann Fromms Fernsehserie WEISSENSEE spielt, erhielt er den Deutschen Fernsehpreis in der Kategorie „Bester Schauspieler“.

    Jörg Hartmann stand unter anderem für den mehrfach preisgekrönten Fernsehfilm DAS ENDE EINER NACHT vor der Kamera, ebenso für die Komödie MUTTER MUSS WEG und das Drama KEHRTWENDE. In mehreren TATORT-Folgen spielte er an der Seite etablierter Kommissare, bevor der Westdeutsche Rundfunk die Figur des unkonventionellen Hauptkommissars Peter Faber entwickelte und mit Jörg Hartmann besetzte. Als Chef der Mordkommission Dortmund sorgt Peter Faber seit 2012 mit Parka und Raufasercharme für frischen Wind und reichlich Diskussionsstoff.

    Im Kino sah man Jörg Hartmann zuletzt in SEIN LETZTES RENNEN an der Seite von Dieter Hallervorden. 2014 folgt der Fernsehfilm DAS ENDE DER GEDULD.

  • » Miroslav Nemec   Dr. Kurt Rebmann

    Miroslav Nemec wurde 1954 in Zagreb geboren. Mit zwölf Jahren verließ er seine kroatische Heimat und zog zu Verwandten nach Freilassing in Bayern. Er studierte am Mozarteum in Salzburg Musik und absolvierte im Anschluss die Schauspielakademie in Zürich.

    Von 1977 bis 1987 spielte er Theater, unter anderem an den Bühnen der Stadt Köln und am Bayerischen Staatsschauspiel in München. Um die ihm verstärkt angebotenen Film- und Fernsehrollen annehmen zu können, folgten am Theater nur noch Stückverträge, zum Beispiel an der Oper Frankfurt, am Badischen Staatstheater Karlsruhe und an den Münchner Kammerspielen. Miroslav Nemec spielte Gastrollen in Fernsehserien wie DIE WIESINGERS, LIEBLING KREUZBERG oder DER ALTE, später Hauptrollen in Fernsehfilmen wie EHESPIELE, WENN DU MICH BRAUCHST oder LIEBE IST NUR EIN WORT.

    Seit 1991 spielt Miroslav Nemec den Münchner TATORT-Hauptkommissar Ivo Batic an der Seite von Udo Wachtveitl als Hauptkommissar Franz Leitmayr. Das Ermittlerduo gehört zu den aktivsten und populärsten Kommissaren der Krimireihe. Für ihre Rollen im TATORT wurden Miroslav Nemec und Udo Wachtveitl mit vielen Preisen ausgezeichnet, darunter der Goldene Löwe von RTL (1997), der Bayerische Fernsehpreis (2001) sowie der Adolf- Grimme-Preis in den Jahren 2002 und 2011. Zudem erhielt Miroslav Nemec 2011 den Bayerischen Verdienstorden, ein Jahr später die Medaille „München leuchtet” in Gold und 2013 die „Bayerische Verdienstmedaille” für sein soziales Engagement.

  • » Udo Wachtveitl   Werner Winter

    Udo Wachtveitl kam 1958 in München zur Welt. Nach einer privaten Schauspielausbildung trat er in Theatern in Hamburg und München auf, bevor seine Karriere vor der Kamera begann. So spielte er in Tom Toelles Fernsehfilm BRETTER, DIE DIE WELT BEDEUTEN (1979), Bernd Fischerauers DIE WIESINGERS (1979), Fritz Umgelters DIE WEBER (1980) und dreimal unter der Regie von Dieter Wedel in DER MANN, DER KEINE AUTOS MOCHTE (1979), KAMPF DER TIGER (1986) und WILDER WESTEN INCLUSIVE (1986) sowie in Armin Mueller-Stahls DIE HEXE VON KÖLN (1988). Sein Kinodebüt gab Udo Wachtveitl 1988 in der französischen Produktion DER GLÜCKSPILZ unter der Regie von Claude Lelouch.

    Seit 1991 spielt Udo Wachtveitl gemeinsam mit Miroslav Nemec das TATORT-Duo Franz Leitmayr und Ivo Batic, das bislang 65 Fälle löste und zahlreiche Preise entgegennahm. Sein Regiedebüt gab Udo Wachtveitl 1998 mit der Komödie SILBERDISTELN, mit Harald Juhnke, Heinz Schubert und Dieter Hildebrandt in den Hauptrollen. 2000 drehte er die Komödie KRIEGER UND LIEBHABER. Sein komödiantisches Talent als Schauspieler bewies er in Hajo Gies' WEIHNACHTEN IM SEPTEMBER (2002) und Torsten C. Fischers MR. UND MRS. RIGHT (2003) neben Maria Furtwängler. Weitere Rollen spielte er in Hark Bohms VERA BRÜHNE (2001), Thomas Jauchs DIE COPILOTEN (2007), Thomas Freundners JULI MIT DELFIN (2008) und DAS GETEILTE GLÜCK (2011).



  • Crew

    • » Regie, Autor, Produzent   Daniel Harrich

      Daniel Harrich wurde 1983 in München geboren. Nach dem Abitur am Albert-Einstein- Gymnasium München studierte er Betriebswirtschaft in London und Atlanta. Anschließend arbeitete er bei der Talentagentur Endeavor in Los Angeles. 2006 begann er seine zweijährige Ausbildung am American Film Institute Conservatory in Los Angeles, wo er mehrere Kurzfilme realisierte. Sein Abschlussfilm ACHOLILAND thematisierte eine Lebensmittellieferung in Nord-Uganda und gewann unter anderem drei Studenten-Emmys der Academy of Television Arts & Sciences und den BAFTA (LA).

      Für die Münchner diwafilm GmbH, die 1983 von seinen Eltern Walter Harrich und Danuta Harrich-Zandberg gegründet wurde, verantwortete Daniel Harrich als Produzent und Autor mehrere Fernsehserien und Dokumentarfilme, darunter WIRKSTOFF PROFIT – DER WELTWEITE KAMPF GEGEN DIE MEDIKAMENTENFÄLSCHERMAFIA (nominiert für den Prix Europa 2010), ZIEMLICH BESTE FREUNDE – WAS IM LEBEN WIRKLICH ZÄHLT (2012) und mehrere Folgen des ARD-Formats DIE GROSSEN KRIMINALFÄLLE. Nach seinem Kinodebüt DER BLINDE FLECK inszenierte er den Thriller EIN SCHMALER GRAT mit Heiner Lauterbach, Felicitas Woll und Jürgen Prochnow in den Hauptrollen.

    • » Autor   Ulrich Chaussy

      Ulrich Chaussy wurde 1952 in Karlsruhe geboren und zog im Alter von 13 Jahren nach München. Nach dem Studium der Germanistik und Soziologie arbeitete er als Hörfunkjournalist für den Bayerischen Rundfunk, später für den Westdeutschen Rundfunk und Radio Bremen. Wie kein zweiter Journalist recherchiert er seit 1980 die Hintergründe des Anschlags auf das Münchner Oktoberfest. Ulrich Chaussy ist ein erklärter Kritiker der offiziellen Einzeltäter-These und führt in seinem Sachbuch „Oktoberfest. Ein Attentat“ (1985, neue und erweiterte Auflage 2014) zahlreiche Beweise auf. Weitere Sachbücher und Hörbücher beschäftigen sich mit Rudi Dutschke, der Weißen Rose, dem Obersalzberg und dem Bundesnachrichtendienst. Ulrich Chaussy initiierte ein Bürgerbegehren gegen die Schließung von Stadtbibliotheken und gründete 2004 den Förderverein „Bücher & mehr“.

    • » Koproduzentin   Danuta Harrich-Zandberg

      Danuta Harrich-Zandberg wurde 1954 geboren. Sie studierte Kunstgeschichte in Brüssel und anschließend Psychologie an der Ludwig-Maximilians-Universität in München. Seit 1976 arbeitet sie mit Walter Harrich zusammen, 1983 gründeten beide die Produktionsfirma diwafilm GmbH und spezialisierten sich auf Dokumentarfilme wie HILDEGARD KNEF: FÜR MICH SOLL'S ROTE ROSEN REGNEN (1995), DIE TAGEBÜCHER DER LISA BLOCK (1997) und EUROCOPS IM KAMPF GEGEN DIE MARKENPIRATERIE (1998). In mehreren Beiträgen zur ARD-Reihe DIE GROSSEN KRIMINALFÄLLE dokumentierten sie die Mordfälle an Walter Sedlmayr und Rudolph Mooshammer sowie die Oetker-Entführung. Für ihren Dokumentarfilm DER CONTERGAN- SKANDAL (2004) erhielten Danuta Harrich-Zandberg und ihr Mann Walter Harrich den Bayerischen Fernsehpreis.

    •    Redaktion BR   Claudia Gladziejewski
         Redaktion Arte/BR   Jochen Kölsch
         Redaktion SWR   Stefanie Gross
         Redaktionsassistenz   Katharina Neumeier
         Produzent   Daniel Harrich
         Montage   Georg M. Fischer
         Kamera   Walter Harrich und Tobias Corts
         Kostümbild   Nicole Dannecker
         Maske   Verena Weissert und Tanja Lipka
         Szenenbild   Markus Thiel
         Filmmusik   Ian Honeyman
         Produktion   diwafilm GmbH
         Koproduzenten   Bayerischer Rundfunk, Südwestrundfunk, Arte
         Förderer (Produktion)   FilmFernsehFonds Bayern
         Verleih   Ascot Elite Filmverleih GmbH



Gespräche

  • » Daniel Harrich & Ulrich Chaussy

    Der Anschlag auf das Oktoberfest von 1980 war der schwerste Terrorakt in der deutschen Nachkriegsgeschichte. Warum sind die Ereignisse nicht schon viel früher verfilmt worden?

    Daniel Harrich: Es gab in der Vergangenheit mehrere Versuche namhafter Regisseure, das Thema in einem Spielfilm umzusetzen. Aber alle sind daran gescheitert. Über die Gründe kann man nur spekulieren. Auch wir erlebten anfänglich große Widerstände und mussten eine Absage nach der anderen wegstecken.

    Herr Chaussy, als investigativer Journalist stoßen Sie seit 30 Jahren bei Ihren Recherchen ebenfalls auf viele Widerstände. Jetzt ist aus Ihrer Arbeit eine Politthiller á la DIE UNBESTECHLICHEN und JFK geworden. Wie kam es dazu?

    Ulrich Chaussy: Ich kenne Daniel Harrichs Eltern gut. Als sie im Jahr 2006 hörten, dass ich meine Recherchen über das Oktoberfestattentat wieder aufnehmen werde, meldeten sie sich bei mir und boten an, meine Arbeit künftig filmisch zu begleiten.

    Daniel Harrich: Zunächst war ein großer Dokumentarfilm geplant. Doch 2008 traf ich Ulrich Chaussy zum ersten Mal persönlich und war in zweierlei Hinsicht fasziniert. Einerseits von ihm, weil er unbeirrt weiter recherchierte, obwohl er dafür oft belächelt wurde, andererseits von seinen Rechercheergebnissen, die zu meiner Überzeugung führten: So, wie es offiziell gewesen sein soll, kann es damals nicht gewesen sein. Und so wurde die Idee des Spielfilms geboren?

    Ulrich Chaussy: Beim Stichwort Spielfilm glänzten Daniel Harrichs Augen. Das ist ja sein erlerntes Handwerk. Er lieferte bald ein erstes Drehbuch. Dass ich darin der Protagonist war, hat mich überrascht und war nicht meine Idee. Als Dokumentarist bin ich eigentlich gewohnt, im Hintergrund zu bleiben und über andere Leute zu erzählen. Aber Daniel Harrich hat mich auf die Bühne gezogen.

    Verteidigt heute wirklich noch jemand ernsthaft die Einzeltäter-Theorie?

    Ulrich Chaussy: Die Generalbundesanwaltschaft tat es in der Abschlussverfügung von 1982 und tut es bis heute in jedem ablehnenden Bescheid, wenn Journalisten anfragen, ob es aufgrund neuer Erkenntnisse nicht an der Zeit wäre, das Ermittlungsverfahren neu zu eröffnen. Die offizielle Wahrheit wird mit Zähnen und Klauen verteidigt, obwohl wahrscheinlich, bis in die Bundesanwaltschaft hinein, niemand daran glaubt.

    Heiner Lauterbach spielt Dr. Hans Langemann, den zwielichtigen Antagonisten des Films. Warum hat ausgerechnet der damalige Chef der Abteilung Staatsschutz im Innenministerium die Ermittlungen bewusst sabotiert?

    Ulrich Chaussy: Er war halt Überzeugungstäter. Er wollte partout nicht, dass bei der Aufklärung des Falles ein Zusammenhang mit dem rechten Netzwerk deutlich wird. Dieses Ergebnis war politisch nicht erwünscht. Franz Josef Strauß hatte das Problem des Rechtsextremismus kleingeredet und die Wehrsportgruppe Hoffmann, zu der auch Gundolf Köhler Kontakt hatte, als eine Art Kasperltruppe verharmlost. Diese Fehleinschätzung durfte eine Woche vor der Bundestagswahl, bei der Strauß als CDU/CSU-Kanzlerkandidat antrat, nicht auffliegen.

    In einer Szene des Films herrscht Franz Josef Strauß Dr. Hans Langemann an, er solle sich „gefälligst etwas einfallen“ lassen. War Strauß der Strippenzieher?

    Daniel Harrich: Wir legen keine konkrete Schuld auf den Tisch. Natürlich hat Strauß in dieser Situation – eine Woche vor der Bundestagswahl – reagieren müssen. Aber ob er im Hintergrund agiert hat, können wir nicht nachweisen. Dagegen steht fest, dass Dr. Langemann absolut skandalös vorgegangen ist. Er hat bewusst die Ermittlungen behindert, Informationen an die Presse gegeben und möglicherweise auch Dinge vertuscht. Allein diese Geschwindigkeit, mit der das alles passiert ist! Eine Bombe geht hoch, man weiß noch nicht, was für ein Sprengstoff das war, hat nicht mal alle Zeugen hören können, aber schon nach 48 Stunden wird offiziell verkündet: Das war kein politischer

    Ulrich Chaussy: Dr. Hans Langemann hat sehr kühl agiert. Er war ein Spezialist, der über das Phänomen Attentat promoviert hat. Der Begriff des „vorgeschobenen Einzeltäters“ stammt aus seiner Dissertation. Darin steht auch, wie wichtig es ist, nach einem politischen Attentat sofort im Umfeld der ausführenden Person zu ermitteln, damit nicht die Fäden ins Hinterland der Tat schon zurückgezogen sind.

    Daniel Harrich: Gerade weil Langemann ein absoluter Experte auf diesem Gebiet war, gehe ich davon aus, dass er bewusst gehandelt hat und genau wusste, was er tat. Die eigentlich zentrale Frage, die wir bislang nicht beantworten können, lautet: Handelte er aus Eigeninitiative oder gab es mehr oder weniger explizite Anweisungen von höherer Stelle?

    Der Film heißt DER BLINDE FLECK. Seit dem Auffliegen der NSU war viel von Behörden die Rede, die „auf dem rechten Auge blind“ sind. Ist das Zufall?

    Ulrich Chaussy: Ich finde, ein „blinder Fleck“ ist das schönere Bild im Vergleich zu „auf dem rechten Auge blind“. Da ist jemand, der sieht etwas einfach nicht, obwohl er denkt, er schaue ganz normal in die Welt. Meine Recherchen über diesen langen Zeitraum haben mir gezeigt, dass der Wille, bei rechtsextremer Bedrohung genau hinzuschauen, in Deutschland oft unterentwickelt ist. Ich überarbeite gerade mein Buch „Oktoberfest. Ein Attentat“ von 1985. Das wird neu erscheinen mit dem Untertitel „Wie die Verdrängung des Rechtsterrors begann“. Denn das ist für mich der zentrale Punkt der Erzählung: Man hätte damals damit beginnen können, die rechten Netzwerke genauer zu beobachten. Dann hätte es in Deutschland gar nicht zu so etwas wie der NSU-Mordserie kommen müssen.

    Steigen durch den NSU-Schock die Chancen, dass der Oktoberfestanschlag neu untersucht wird?

    Ulrich Chaussy: Im Juni 2013, drei Wochen vor der Uraufführung des Films beim Münchner Filmfest, gab es eine Vor-Uraufführung im Bayerischen Landtag. Bei der anschließenden Diskussionsrunde habe ich ein Thema angesprochen, das mir seit Jahren auf der Seele brennt. Seit ich im Bundesarchiv in Koblenz die Ermittlungsakten der Bundesanwaltschaft über das Attentat habe einsehen können, weiß ich, dass es viele weitere Akten gibt: sogenannte Spurenakten, die in München lagern.

    Waren die verschollen?

    Ulrich Chaussy: Das bayerische Landeskriminalamt hat immer abgestritten, dass es sie noch gibt. Aber nach der Filmaufführung im Landtag habe ich den bayerischen Innenminister Joachim Herrmann gebeten, diese Akten dem Opferanwalt Werner Dietrich zugänglich zu machen. Der Innenminister hat öffentlich – und später auch im BR-Magazin „Kontrovers“ – versprochen: „Ja, das wird geschehen.“

    Und? Geschieht es?

    Ulrich Chaussy: Laut Werner Dietrich werden sie zur Einsicht aufbereitet. Das ist unglaublich! Plötzlich tauchen tausende Seiten auf, die angeblich nicht mehr da waren.

    Welche Erkenntnisse erwarten Sie aus diesen Akten?

    Ulrich Chaussy: Ich hoffe, dass zutage kommt, was damals nach der serologischen Untersuchung der abgetrennten Hand, die am Explosionsort gefunden wurde, in den Akten festgehalten wurde. 1982 schrieb der damalige Generalbundesstaatsanwalt Kurt Rebmann in seinem Schlussbericht, dass die Hand serologisch zu keinem der Toten des Anschlags passt. Es gibt nur zwei Möglichkeiten: Entweder haben die Serologen eine falsche Analyse gemacht und die Hand gehörte doch Gundolf Köhler, dem ja als einzigem Opfer des Anschlags die Hände abgerissen wurden. Oder aber es muss noch jemand an der Tat beteiligt gewesen sein, der beim Anschlag seine Hand verloren hat.

    Es müsste also einen Unbekannten geben, der schwer verletzt geflohen ist?

    Ulrich Chaussy: Genau. Und falls die Einsicht der Spurenakten das belegt, muss die Bundesanwaltschaft das Ermittlungsverfahren wieder aufnehmen. Mit der DNA eines Menschen, der so nah am Explosionszentrum war, dass ihm die Explosion eine Hand abriss, hätte man sogar eine eindeutige Personenspur – sofern dieses Asservat nicht zerstört worden ist.

    Haben Sie Angst, dass die versprochenen Spurenakten noch kurzfristig geschreddert und dem Anwalt Werner Dietrich vorenthalten werden?

    Ulrich Chaussy: Nach dem öffentlichen Bekenntnis des Innenministers wäre das die einzige Möglichkeit, den Skandal der Asservate-Zerstörung noch zu toppen.

    Daniel Harrich: Ich glaube, dass Joachim Herrmann sein Angebot ernst meint. Die Zeit für die Auseinandersetzung mit diesem Thema ist jetzt einfach reif.

  • » Benno Fürmann (Ulrich Chaussy)

    Sie haben im Vorfeld der Dreharbeiten Ulrich Chaussy getroffen, den Sie im Film spielen. Wie hilfreich war das für Ihre Arbeit?

    Benno Fürmann: Ich wollte den Mann sehen und hören, den ich zu spielen im Begriff war. Dabei habe ich weniger versucht, Chaussy als Mensch in Gestik und Mimik zu personifizieren. Als Schauspieler sucht man immer nach dem Motor eines Menschen: Ulrich Chaussys Maschine läuft mit einer solchen Leidenschaft, dass es leicht ist, von ihm inspiriert zu sein. Menschen wie Ulrich Chaussy sind Helden für mich. Unter Aufopferung von Jahrzehnten und dem ständigen Gefühl, in einem Wald voller Lügen gegen Widerstände zu kämpfen, machen sie Missstände öffentlich und fordern unnachgiebig und mit all ihrer Leidenschaft Wahrheit und Gerechtigkeit ein. Sie klopfen der Demokratie auf die Finger.

    Ulrich Chaussy spricht sich gegen die Einzeltäter-These aus. Was denken Sie?

    Benno Fürmann: Ich halte es für schwer vorstellbar, dass ein jugendlicher Täter ein Attentat alleine plant, eine Bombe von derartiger Wucht konzipiert und baut und sie dann zur Detonation bringt. Wir reden von einer Zeit vor dem Internet... Und das Verschwinden von Asservaten sowie die Nichtverfolgung von Hinweisen deuten meiner Meinung nach eher daraufhin hin, dass gewisse politische Gruppierungen ein Interesse daran hatten, die Wahrheit zu verschleiern.

    Am Ende schlägt DER BLINDE FLECK eine Brücke zu den NSU-Anschlägen der vergangenen Jahre. Wie aktuell kann ein Film sein, der von einem Ereignis aus dem Jahr 1980 handelt?

    Benno Fürmann: Ich denke, dass das Bekanntwerden der NSU-Affäre und die damit einhergehende Diskussion über V-Leute und „Wer wusste wann wie viel?“ starke Parallelen zu den Ereignissen in den 80er Jahren aufweist. Damals wie heute wirft die skandalöse Aufarbeitung der Morde Fragen auf, die noch immer nicht beantwortet sind. Wir müssen uns fragen: Wie können wir unsere Geheimdienste kontrollieren und wie schaffen wir es, dass staatliche Organe nicht bewusst Informationen deckeln? Der Quellenschutz darf nicht als Totschlagargument gegen jegliche Transparenz gebracht werden. Es kann einfach nicht angehen, dass Gewaltakte durch Grauzonen der Informationsdienste geschützt oder im schlimmsten Fall sogar unterstützt werden.

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